Nachhaltiger Einkauf in Berlin: Wie öffentliche Gelder einen Unterschied machen
Der Einkauf mit öffentlichen Geldern ist weit mehr als nur die Suche nach dem günstigsten Angebot. In Berlin spielt die nachhaltige und faire Beschaffung eine entscheidende Rolle, um nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und soziale Ziele zu erreichen. Dieser Leitfaden bietet eine umfassende Orientierungshilfe, wie Verwaltungen und öffentliche Institutionen in Berlin einen positiven Unterschied machen können.
1. Warum Nachhaltigkeit und Fairness im Einkauf zählen
Oft herrscht die Fehlannahme, dass bei der Verausgabung öffentlicher Mittel stets das billigste Produkt gewählt werden muss. Das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz (BerlAVG) widerlegt diese Ansicht eindrücklich: Es verpflichtet Vergabestellen, bei der Beschaffung ökologische und soziale Anforderungen vorzugeben. Dies bedeutet, dass die Kaufentscheidung keinesfalls ausschließlich aufgrund des niedrigsten Preises getroffen werden muss. Stattdessen sind öffentliche Auftraggeber berechtigt – und in Berlin sogar verpflichtet – ökologische und soziale Kriterien als Mindestanforderungen festzulegen und anschließend das wirtschaftlichste Angebot auszuwählen, das diese Kriterien erfüllt.
Die Novellierung des BerlAVG im Mai 2020 hat die nachhaltige Beschaffung weiter gestärkt, indem sie vorschreibt, dass glaubwürdige Nachweise für die Einhaltung sozialer Kriterien (insbesondere der ILO-Kernarbeitsnormen) vorgelegt werden müssen; einfache Eigenerklärungen sind nicht mehr ausreichend, wenn am Markt glaubwürdige Nachweise verfügbar sind. Auch ökologische Kriterien sind zu berücksichtigen, wobei umweltfreundlichen und energieeffizienten Produkten Vorzug gegeben und Lebenszykluskosten beachtet werden sollen.
Ihr Handeln als Beschaffungsverantwortliche macht einen Unterschied! Eine veränderte Vergabepraxis kann die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und die Zahlung existenzsichernder Löhne fördern, sowohl regional als auch global. Dies trägt aktiv zur Einhaltung globaler Arbeits- und Menschenrechte sowie zum Klima- und Umweltschutz bei.
2. Für die sozial verantwortliche Beschaffung relevante Produktgruppen
Der Leitfaden identifiziert spezifische Produktgruppen, bei denen die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien besonders wichtig und vergleichsweise einfach umzusetzen ist, insbesondere bei Direktkäufen und kleinteiligen Vergaben. Dies kann entweder durch die gezielte Auswahl von Unternehmen, die generell soziale Kriterien einhalten, oder durch den Rückgriff auf Produkte mit unabhängigen Zertifizierungen geschehen.
2.1 TEXTILPRODUKTE
- Warum fair? Die Herstellung von Textilien, auch Berufsbekleidung, ist oft von extrem niedrigen Löhnen, erzwungenen Überstunden und unterdrückten Gewerkschaften geprägt. Studien zeigen, dass europäische Marken oft Verletzungen nationaler Arbeitsgesetze und internationaler Arbeitsnormen in ihren Zulieferbetrieben akzeptieren.
- Worauf achten? Es gibt noch kein einzelnes Siegel, das faire und ökologische Textilien über die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Eine Kombination mehrerer Siegel ist empfehlenswert, um den Herstellungsprozess von der Baumwolle bis zur Konfektionierung abzudecken. Achten Sie bei (Arbeits-)Kleidung, Caps und Mützen besonders auf Sozialstandards während des Nähprozesses. Für Stoffbeutel und Stofftaschen sind Umwelt- und Sozialstandards beim Baumwollanbau wichtig. Bei Schuhen ist die Schaftherstellung oft problematisch. Nachhaltige Sportbekleidung ist noch ein Nischenprodukt, aber einige Hersteller sind in der Fair Wear Foundation Mitglied. Bei textilem Spielzeug ist die Baumwollzertifizierung relevant, für soziale Kriterien lohnen sich Produkte von Fairhandelsunternehmen wie GEPA oder El Puente, die WFTO-Mitglieder sind.
- Was macht Berlin? Die Kompetenzstelle Faire Beschaffung Berlin setzt sich dafür ein, dass künftig auch faire Kriterien in die Rahmenverträge für Dienstkleidung der Berliner Ämter einfließen.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- Global Organic Textile Standard (GOTS): Hohe ökologische Anforderungen (Bio-Baumwolle), Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen entlang der gesamten Lieferkette.
- Fair Wear Foundation (FWF): Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen, Förderung existenzsichernder Löhne, Transparenz bei der Konfektionierung.
- Fairtrade Textile Production Standard: Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen, Ziel existenzsichernder Löhne innerhalb von sechs Jahren, Verbot schädlicher Chemikalien entlang der gesamten Lieferkette.
- Grüner Knopf: Anforderungen an Unternehmen und Produkte, Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen bei Konfektionierung und Umweltstandards bei Nassprozessen.
- MADE IN GREEN by OEKO-TEX®: Nachverfolgbares Label, Produktion in umweltfreundlichen Betrieben mit sicheren und sozialverträglichen Arbeitsplätzen (STeP by OEKO-TEX®).
- Naturtextil IVN zertifiziert BEST: Sehr hohe ökologische Anforderungen (kontrolliert biologischer Anbau/Tierhaltung), Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen entlang der gesamten Lieferkette.
- World Fair Trade Organization (WFTO): Hohe Anforderungen an Mitgliedsunternehmen (Transparenz, existenzsichernde Löhne, ökologische Aspekte) entlang der gesamten Lieferkette.
- Blauer Engel für Textilien (DE-UZ 154): Hohe ökologische Anforderungen an Fasern und Herstellungsprozess, Vermeidung schädlicher Substanzen, Verbot gentechnisch veränderten Saatguts, soziale Mindeststandards bei der Konfektionierung.
- Fairtrade Cotton: Fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle, Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards bei Anbau und Entkörnung.
- Global Recycled Standard (GRS): Verwendung von Recyclingmaterialien, Einhaltung sozialer Mindeststandards (ILO-Kernarbeitsnormen) und hoher Umweltstandards in zertifiziertem Verarbeitungszweig.
- Cotton made in Africa: Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen, ökologische Anforderungen bei Baumwollanbau.
- OCS 100 Organic Content Standard 100: Ökologische Anforderungen an Bio-Baumwolle, Rückverfolgbarkeit der Bio-Baumwolle.
- Naturland Textilien: Sehr hohe ökologische Anforderungen, Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen entlang der gesamten Lieferkette.
- KbA (aus kontrolliert biologischem Anbau): Anbau ohne Chemiedüngemittel/Pestizide, Handernte, Verbot gentechnisch veränderten Saatguts bei Baumwollanbau und Entkörnung.
- Cradle to Cradle: Für kreislauffähige und nicht gesundheitsgefährdende Materialien.
2.2 SPORTBÄLLE
- Warum fair? Die Produktion der meisten Fußbälle in Niedriglohnländern Asiens ist von schlechten Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen geprägt.
- Worauf achten? Fairtrade ist der glaubwürdigste Nachweis für Sportbälle, der sich für faire Entlohnung einsetzt. Zertifiziert sind Volley-, Fuß-, Basket- und Handbälle.
- Was macht Berlin? Seit 2019 sind in Berlin über das Sammelbestellverfahren nur noch fair produzierte und zertifizierte Hand-, Volley- und Fußbälle erhältlich. Über 2000 faire Bälle sind bereits in Berliner Sporthallen im Einsatz.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- Fairtrade / TransFair: Einhaltung des Fairtrade Hired Labour Standard (mindestens nationaler Mindestlohn), kontinuierliche Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Löhnen, Einhaltung ILO-Kernarbeitsnormen, Fairtrade-Prämie. Überprüft hohe Sozialstandards entlang der Ballproduktion.
- World Fair Trade Organization (WFTO): Überprüft die Einhaltung hoher Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette.
2.3 NATURSTEINE
- Warum fair? Mehr als 50% der in Deutschland verwendeten Natursteine kommen aus China und Indien, wo niedrige Löhne, unsichere und ungesunde Arbeitsbedingungen (Staubbelastung, fehlende Sicherheit, Wassermangel) und in Indien auch Kinderarbeit ein Problem darstellen.
- Worauf achten? Bevorzugen Sie Natursteine aus Steinbrüchen mit geringer Transportentfernung oder mit Zertifizierungen für Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie zum Ausschluss von Kinderarbeit.
- Was macht Berlin? 2018 und 2019 wurden in Berlin (Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln) drei Pilotausschreibungen für Natursteine aus sozial verantwortlichem Bezug durchgeführt. Dabei wurden produktspezifische Sozialstandards gefordert, die über die ILO-Kernarbeitsnormen hinausgehen, und glaubwürdige Nachweise von Fairstone oder Xertifix verlangt, während Eigenerklärungen ausgeschlossen wurden.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- WIN=WIN Fair Stone BASIC und WIN=WIN Fair Stone: Überprüfung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen und verarbeitenden Fabriken in Entwicklungs- und Schwellenländern, Fokus auf China, Vietnam, Indien.
- Xertifix und Xertifix plus: Bekämpfung von Kinder- und Sklavenarbeit, Förderung von Bildung, Fokus auf Indien, China, Vietnam.
- TruStone Initiative: Niederländische Monitoringorganisation, Unternehmen orientieren sich an OECD-Leitsätzen und UN-Leitprinzipien, Verpflichtung zur Offenlegung der Betriebe und Steinbrüche, Risikoanalysen und Aktionspläne.
2.4 LEBENSMITTEL
- Warum fair? Im Anbau vieler Lebensmittel (Kakao, Bananen, Tee) herrschen soziale und ökologische Missstände wie sklavenähnliche Arbeitsbedingungen, fehlender Arbeitsschutz, intransparente Lohnzahlungen und Gewerkschaftsverbote. Im Kakaoanbau arbeiten beispielsweise 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen.
- Worauf achten? Greifen Sie auf faire Lebensmittel zurück und bevorzugen Sie saisonale und regionale Produkte aus biologischem Anbau. Eine gute Resteverwertung trägt ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Palm(kern)öl. Besonders relevant sind faire Südfrüchte, Kaffee, Kakao, Tee, Rohrzucker, Honig, Quinoa, Reis, Süßwaren, Snacks, Gewürze und Kokosprodukte.
- Catering: Bei Catering-Aufträgen ist es wichtig, dass die Anbieter sich verpflichten, die genannten fair gehandelten Produkte zu verwenden und entsprechende Nachweise zu erbringen. Einfache Eigenerklärungen sind nicht akzeptabel. Aus ökologischen Gründen sollte Fleisch nach Möglichkeit ausgeschlossen oder hochwertige Biofleisch-Produkte bevorzugt werden. Bei Fisch sollte auf bestandserhaltende Fischerei geachtet werden (z.B. Marine Stewardship Council, WWF-Fischratgeber).
- Was macht Berlin? Im Berliner Grundschulessen wurden für das Schuljahr 2020/21 verbindliche Vorgaben zu Bio-Qualität, Saisonalität, Ökologie und fairem Handel gemacht. Bananen, Ananas und Reis müssen nachweislich aus fairem Handel stammen, und der Bio-Anteil im Schulessen wird regelmäßig erhöht. Der Fairtrade-Stadtplan Berlin und der Produktfinder von Fairtrade Deutschland helfen bei der Suche nach fairen Produkten.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- Fairtrade Deutschland / Fairtrade International: Überprüft Einhaltung hoher Sozialstandards auf den Lieferkettenstufen Anbau und Verarbeitung.
- SPP (Símbolo de Pequeños Productores): Arbeitet ausschließlich mit Produzentenorganisationen im Globalen Süden zusammen, viele Mitglieder sind Bio-zertifiziert. Überprüft Einhaltung hoher Sozial- und Umweltstandards bei Anbau und Verarbeitung.
- Fair for Life: Deckt zentrale Bereiche des Fairen Handels ab, darf verwendet werden, sobald der Fair-Handels-Anteil bei über 80% liegt.
- Naturland fair: Wendet Standards des Fairen Handels im Globalen Norden wie Süden an (z.B. auch für Milch, Wein, Fisch). Überprüft Einhaltung hoher Sozial- und Umweltstandards bei Anbau und Verarbeitung.
- World Fair Trade Organization (WFTO): Überprüft Einhaltung hoher Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette.
2.5 GARTENLANDSCHAFTSBAU (BLUMEN & BLUMENERDE)
- Blumen – Warum fair? Blumen werden oft über weite Strecken importiert und unter Einsatz gesundheitsschädigender Pestizide angebaut. Die Arbeitsbedingungen auf Blumenfarmen im Globalen Süden sind häufig schlecht, mit niedrigen Löhnen und Einsatz hochgiftiger Pflanzenschutzmittel.
- Worauf achten? Achten Sie auf natürliche Anbaumethoden (pestizidfrei) und Regionalität (Saisonkalender). Für importierte Pflanzen aus Ostafrika oder Südamerika sollte auf fair zertifizierte Produkte geachtet werden.
- Hilfestellung: Fairtrade-Rosen gibt es in vielen Supermärkten und Blumenläden.
- Blumenerde – Warum nachhaltig? Der jährliche Torfabbau zerstört Moore, die seltene Tier- und Pflanzenwelten beherbergen und wichtige CO2-Speicher sind. Trockenlegung von Mooren setzt große Mengen CO2 frei und trägt zum Klimawandel bei.
- Worauf achten? Kaufen Sie torffreie Erde und achten Sie explizit auf die Bezeichnung „torffrei“ oder „ohne Torf“. Seien Sie kritisch bei „torfreduziert“ oder „torfarm“. Alternativen sind Grüngutkompost, Holzfasern, Kokosprodukte, Reis- und Dinkelspelzen. Bei Kokosprodukten sollte auf Fairtrade geachtet werden. Das Fairtrade-Siegel oder die WFTO-Mitgliedschaft garantieren menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gute Löhne bei Kokoserde.
2.6 HOLZ
- Warum fair? Die Holzernte, besonders bei Tropenhölzern, führt zu Zerstörung von Lebensräumen, Verlust der Artenvielfalt durch Abholzung (oft illegal) und Vertreibung von Menschen. Zudem fehlen oft Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen, und die Löhne sind gering.
- Worauf achten? Achten Sie auf lange Nutzungsdauer, möglichst regionale Herkunft und Zertifizierungen. Verzichten Sie auf Tropenholz. Für Importhölzer ist das FSC-Siegel eine glaubwürdige Auskunft über nachhaltigen Ursprung. Für Papier ist der Blaue Engel der beste Maßstab, da er 100% Altpapier garantiert.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- FSC – Forest Stewardship Council: Internationales Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft (strikte Begrenzung von Pestiziden, Schutz von Böden/Wasser, Arbeitnehmer- und Landnutzungsrechte indigener Bevölkerung). Drei Varianten: FSC 100% (komplett aus FSC-zertifizierten Wäldern), FSC Mix (mind. 70% aus FSC-Wäldern oder Post-Consumer-Recycling), FSC Recycled (komplett aus Recycling-Holz).
- PEFC: Zertifiziert weltweit nachhaltige Waldwirtschaft und Produkte daraus, Wahrung von Arbeitnehmer- und Landnutzungsrechten. Empfohlen wird das PEFC-Siegel mit dem Zusatz „regional“ für Holz aus geografisch abgrenzbaren Regionen in Deutschland.
- Natureplus: Zertifiziert Bauprodukte, die Umwelt und Gesundheit nicht belasten. Verwendung nachwachsender oder reichlich vorhandener mineralischer Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen. Für Holz bedeutet dies Verzicht auf Pestizide, Vermeidung von Plantagenwirtschaft, kein Raubbau, Unterstützung nachhaltiger Forstwirtschaft.
- Naturland: Mitglied im FSC. Kriterien umfassen Wiederherstellung/Erhalt naturnaher Wälder, Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen, Verzicht auf Kahlschläge, Pestizide und Düngemittel. Siegel nur für in Deutschland angebaute Hölzer.
- Holz von Hier: Fokus auf kurze Transportwege und regionale, nachhaltige Holzproduktion/-verarbeitung. Nachweisbarkeit über produktspezifische Urkunde mit ID-Nummer.
2.7 GESCHENKIDEEN (SCHOKOLADE, KAFFEE, NACHHALTIGE UND FAIRE GIVE-AWAYS)
- Warum fair? Zahlreiche Anlässe bieten die Möglichkeit, nachhaltige Geschenke und Give-Aways zu verwenden.
- Worauf achten? Achten Sie auf sozial verantwortliche und umweltfreundliche Produktion. Bevorzugen Sie recycelbare Produkte, regionale Herstellung oder Produkte aus sozialen Werkstätten. Unterstützen Sie den lokalen Einzelhandel.
- Was macht Berlin? Die „Berliner Bohne – die faire Hauptstadt-Schokolade“ ist als Bezirksedition in verschiedenen Geschmacksrichtungen in Weltläden und anderen Geschäften erhältlich. Das Projekt „Berliner Bohne“ umfasst auch einen fairen Hauptstadtkaffee.
- Ideen für nachhaltige Give-Aways und Geschenke:
- Faire Textilien (Shirts, Beutel, Caps)
- Dekorations- und Freizeitartikel (Mini-Solarlampen, Sonnengläser, Papeterie, Spielwaren, Kunsthandwerk, Fußbälle)
- Werbeartikel (Taschen, Rucksäcke, Schreibgeräte, Pflanzen, Samen, USB-Sticks, Tassen)
- Büroartikel (Schreibgeräte, Mappen, Mousepads, Kalender, Notizzettelhalter)
- Bücher über Fairen Handel und Reisen
- Trinkflaschen (Soul Bottle, Klean Kanteen, FLSK, Dopper)
- Fairer Schmuck (Faire Goldschmiede Oronda, Fairer Juwelier Quite Quiet)
2.8 INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONS-TECHNOLOGIE (IKT)
- Warum fair? Die IKT-Branche ist stark von Umweltproblemen, ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen geprägt, darunter geringe Löhne, exzessive Arbeitszeiten und Gesundheits- und Sicherheitsprobleme.
- Worauf achten? Da bisher kein IKT-Produkt komplett fair produziert wird, sollte zunächst das Prinzip „Reduce, Reuse, Repair, Recycle“ angewendet werden. Beim Kauf von PC-Mäusen ist die Faire Maus von Nager-IT eine Option, die Arbeitsstandards beachtet und eine transparente Lieferkette aufweist. Für Smartphones ist Fairphoneführend bei der Einhaltung von Arbeitsrechten, gefolgt vom Shiftphone mit modularem Design. Bei der Neubeschaffung sind die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und weiterer Standards einzufordern, basierend auf Vorbildern wie der Verpflichtungserklärung des Beschaffungsamtes des Bundesministeriums des Innern. Electronics Watch unterstützt öffentliche Beschaffungsverantwortliche dabei, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
- Was macht Berlin? Das ITDZ Berlin hat die faire Computermaus von Nager IT gelistet und ist 2022 Electronics Watch beigetreten, um die Nachfrage nach sozial verantwortlichen IKT-Produkten zu steigern.
- Hilfestellung (Glaubwürdige Nachweise):
- TCO Certified: Gilt als Vorreiter bei IT-Zertifikaten für soziale Kriterien (ILO-Kernarbeitsnormen, Arbeitszeitbegrenzung) und hohe Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette.
- Blauer Engel (Mobiltelefone, Smartphones, Tablets, Bürogeräte mit Druckfunktion): Zeichnet IKT-Produkte mit geringem Energieverbrauch, langlebiger und recyclinggerechter Konstruktion aus. Ab 2024 werden verpflichtend Nachweise für die unabhängige Überprüfung sozialer Kriterien verlangt.
2.9 NACHHALTIGE DRUCKEREIEN
- Worauf achten? Achten Sie auf die Verwendung von umweltfreundlichem Papier aus recycelten Materialienund Druckereien, die mit dem Blauen Engel für das gesamte Unternehmen ausgezeichnet sind. Dies belegt eine besonders umweltschonende Druckproduktion (ausschließliche Verwendung von Recyclingpapieren, effizientes Energie- und Abfallmanagement, hohe Recyclingfähigkeit).
- Hilfestellung (Beispiele in Berlin):
- DruckZuck: 100% Recyclingpapier („Blauer Engel“), papierfrei von Chemikalien, Partner einer Klimaschutzinitiative.
- Oktoberdruck: Zertifiziertes Papier mit FSC®-Siegel, Einsatz von Bio-Druckfarben, klimaneutrale Produktion, EMAS-zertifiziert.
- Umweltdruck Berlin GmbH: Zertifizierung durch „Blauer Engel“, FSC®-Siegel, Bio-Druckfarben, mineralölfreie und alkoholfreie Farben, klimaneutrale Produktion.
- Laserline: Klimaneutrales Unternehmen, Option auf 100% Recycling-Papier, Bio-Druckfarben, klimaneutrale Produktion, Ökostrom, klimaneutraler Versand.
3. Soziale Unternehmen und Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie
Bei Direktkäufen und Vergabeverfahren lohnt sich der Blick auf „Soziale Unternehmen“ und „Unternehmen mit Gemeinwohl-Bilanz“.
- Unternehmen mit Gemeinwohl-Bilanz legen alle zwei Jahre öffentlich ihren Beitrag zum Gemeinwohl dar, gemessen an Werten wie Menschenwürde, Solidarität und Transparenz, nicht nur am ökonomischen Erfolg.
- Soziale Unternehmen verfolgen soziale und ökologische Ziele, oft ausgerichtet an den UN-Nachhaltigkeitszielen, und reinvestieren Gewinne in ihren Unternehmenszweck.
4. Wo Sie Unterstützung und Beratung erhalten
Die Umsetzung eines sozial verantwortlichen öffentlichen Einkaufs in Berlin ist nicht allein zu bewältigen. Zahlreiche Praxisbeispiele in Berlin zeigen jedoch, dass soziale und ökologische Kriterien erfolgreich berücksichtigt werden können.
- Die Kompetenzstelle Faire Beschaffung Berlin, seit Oktober 2020 aktiv, berät bei Fragen zur sozial verantwortlichen Beschaffung, unterstützt bei Marktrecherchen, Ausschreibungsunterlagen und der Auswertung von Nachweisen. Sie arbeitet eng mit der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) zusammen.
- In den Bezirken stehen die Koordinierungsstellen für kommunale Entwicklungspolitik (KePol) ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite.
- Die Online-Plattform Kompass Nachhaltigkeit bietet zudem zahlreiche Praxisbeispiele, einen Gütezeichenfinder, Textbausteine für Ausschreibungen, Anbieterlisten und Rechtsberatung.
Fazit: Jeder Einkauf zählt
Nachhaltige und faire Beschaffung in Berlin ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern eine Chance, aktiv positiven Wandel zu gestalten. Indem öffentliche Institutionen bewusst Produkte auswählen, die unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltschonend hergestellt wurden, tragen sie maßgeblich zur Verbesserung globaler Arbeits- und Menschenrechte sowie zum Klima- und Umweltschutz bei. Es ist wie ein Stein, der ins Wasser fällt: Jede noch so kleine Welle des bewussten Einkaufs kann weitreichende Kreise ziehen und dazu beitragen, eine gerechtere und nachhaltigere Welt zu schaffen.
