FAQ


Nachhaltige Öffentliche Beschaffung Allgemeine Fragen

Was bedeutet nachhaltige öffentliche Beschaffung und warum ist sie wichtig?

B

Nachhaltige öffentliche Beschaffung bedeutet, dass öffentliche Einrichtungen beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen neben Preis und Qualität auch soziale, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigen. Ziel ist es, dass die beschafften Güter und Dienstleistungen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg keinen negativen Einfluss auf die Organisation, Gesellschaft und Umwelt ausüben.
Diese Praxis ist wichtig, weil die öffentliche Hand in Deutschland mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von rund 500 Milliarden Euro über eine enorme Marktmacht verfügt. Durch die konsequente Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien kann sie positiven Einfluss auf Produktionsbedingungen weltweit nehmen, Arbeits- und Menschenrechte fördern, den Klima- und Umweltschutz unterstützen und die Markteinführung nachhaltiger Produkte vorantreiben. Nachhaltige Beschaffung trägt somit direkt zur Erreichung globaler und lokaler Nachhaltigkeitsziele bei, wie sie beispielsweise in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen oder der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verankert sind.

Welche konkreten Maßnahmen können öffentliche Beschaffungsstellen ergreifen, um umweltfreundlicher zu beschaffen?

B

Öffentliche Beschaffungsstellen haben verschiedene Instrumente zur Verfügung, um Umweltaspekte zu berücksichtigen:

  • Bedarfsanalyse: Überlegen, ob ein neues Produkt überhaupt nötig ist oder ob gebrauchte, gemietete oder geleaste Alternativen umweltfreundlicher sind.
  • Berücksichtigung des Nutzungsendes: Die Wiederverwendungsmöglichkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit eines Produkts in den Blick nehmen.
  • Lebenszykluskosten: Die Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer eines Produkts berücksichtigen, einschließlich Energieverbrauch und Entsorgung.
  • Gütezeichen und Zertifizierungen: Produkte mit anerkannten Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder Zertifizierungen wie EMAS bevorzugen.
  • Vermeidung von Kunststoffen und Chemikalien: Alternativen aus natürlichen Materialien oder Produkte mit geringer Umweltbelastung bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung wählen.
  • Nachhaltige Energieversorgung: Energie durch Anbieter regenerativer Energien gewährleisten.
  • Sozial- und Umweltkriterien in Ausschreibungen: ILO-Kernarbeitsnormen oder Kriterien des fairen Handels als Bedingungen oder Zuschlagskriterien aufnehmen.

Welche Rolle spielen Gütezeichen und Zertifikate bei der nachhaltigen Beschaffung?

B

Gütezeichen, Siegel und Zertifikate sind wichtige Hilfsmittel für die nachhaltige Beschaffung. Sie dienen als Nachweis für die Einhaltung bestimmter Sozial- und Umweltstandards und erleichtern den Beschaffungsstellen die Auswahl und Überprüfung.

  • Typ-I-Umweltzeichen: Diese, wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel, gelten international als Zeichen mit hohem Anspruchsniveau. Sie basieren auf Kriterienkatalogen, die den gesamten Lebensweg eines Produkts berücksichtigen (Rohstoffe, Herstellung, Vertrieb, Gebrauch, Entsorgung). Sie haben klar definierte, öffentlich zugängliche Umweltkriterien und Nachweisregelungen.
  • Sozialzeichen: Gütezeichen, die sich mit der Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Menschenrechten befassen, legen in der Regel die ILO-Kernarbeitsnormen als Mindestkriterien zugrunde (z.B. Fairtrade, Fair Wear Foundation).
  • Vorteile: Die Einforderung von Siegeln reduziert den bürokratischen Aufwand für Beschaffer, da die Einhaltung der Standards durch unabhängige Zertifizierungsstellen garantiert wird. Ein guter Überblick über glaubwürdige Siegel und Gütezeichen wird beispielsweise über die Plattform „Kompass Nachhaltigkeit“ geboten.

Welche Vorteile bietet eine nachhaltige Beschaffung für öffentliche Auftraggeber über den Umweltschutz hinaus?

B

Neben den ökologischen Vorteilen bringt nachhaltige Beschaffung auch ökonomische und gesellschaftliche Vorteile mit sich:

  • Kostenvorteile: Die Berücksichtigung von Lebenszykluskosten kann zu Kostenreduktionen führen, da neben dem Anschaffungspreis auch Faktoren wie Energieverbrauch, Wartung und Entsorgung über die Nutzungsdauer einbezogen werden. Ein strategisch angelegter nachhaltiger Einkauf kann so zur Entlastung angespannter Haushalte beitragen.
  • Sicherheit für Mensch und Umwelt: Die Bevorzugung von Produkten aus umweltverträglichen und schadstoffarmen Materialien reduziert gesundheitliche Risiken für Nutzer und Personal.
  • Größere Reputation: Nachhaltige Beschaffung erfüllt die Erwartungen der Bürger an eine verantwortungsvolle Verwendung öffentlicher Gelder und stärkt die Glaubwürdigkeit der öffentlichen Hand als Vorbild.
  • Erreichung gesellschafts- und umweltpolitischer Ziele: Durch die Reduzierung von Emissionen und die Förderung fairer Arbeitsbedingungen trägt nachhaltige Beschaffung direkt zur Erreichung politischer Ziele bei.
  • Förderung zukunftsfähiger Wirtschaftsstrukturen und Innovationen: Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen schafft Anreize für Unternehmen, in umweltfreundlichere und sozialverträglichere Produktionsweisen zu investieren.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für Beschaffer bei der Umsetzung nachhaltiger Beschaffung?

B

Öffentliche Beschaffer werden bei der Umsetzung der nachhaltigen Beschaffung von verschiedenen Stellen unterstützt:

  • Umweltbundesamt (UBA): Bietet umfangreiche Materialien wie Schulungsskripte, Gutachten und Produktleitfäden sowie ein Rechtsgutachten zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung.
  • Kompetenzstelle nachhaltige Beschaffung (KNB): Die zentrale Beratungs- und Informationsstelle für die Bundesverwaltung und zur Unterstützung der Länder und Kommunen. Sie bietet Schulungen, Hotlines und eine webbasierte Informationsplattform.
  • Kompass Nachhaltigkeit: Eine Informationsplattform, die Orientierung in der Siegellandschaft bietet, Praxisbeispiele, Textbausteine für Ausschreibungen, Listen zertifizierter Unternehmen und rechtliche Informationen.
  • Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW): Bietet Beratung, Vernetzung und Förderung für Kommunen im Bereich kommunale Entwicklungspolitik, einschließlich fairer und nachhaltiger Beschaffung.

Wie können Kommunen konkret mit der Umsetzung fairer und nachhaltiger Beschaffung beginnen?

B

Kommunen können schrittweise mit der Umsetzung beginnen und ihr Engagement institutionalisieren:

  • Bestandsaufnahme machen und Rahmen schaffen: Gibt es bereits eine Dienstanweisung oder einen Ratsbeschluss für faire und nachhaltige Beschaffung? Diese können das Engagement formalisieren.
  • Klein anfangen: Zunächst einen Beschaffungsbereich mit hohem Potenzial priorisieren, wie beispielsweise die Beschaffung von Kaffee und Tee für Sitzungen oder Recyclingpapier.
  • Siegel nutzen: Bei Ausschreibungen die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards über glaubwürdige Gütezeichen einfordern. Der „Kompass Nachhaltigkeit“ bietet hierfür eine gute Orientierung.
  • Wissen teilen: Erfahrungen und Best Practices innerhalb der Verwaltung und mit anderen Kommunen austauschen.
  • Nachhaltige Produkte für alle: Darauf hinwirken, dass nachhaltige Produkte im gesamten Einkauf verfügbar werden.
  • Bedarfs- und Marktanalyse: Vor der Beschaffung prüfen, ob das Produkt wirklich benötigt wird und ob es ökologische und/oder soziale Risiken gibt, sowie die Verfügbarkeit geeigneter Siegel und Anbieter analysieren.
  • Beratungsangebote nutzen: Die Unterstützungsangebote von Stellen wie der KNB oder der SKEW in Anspruch nehmen.
  • Flexibilität erlauben: Die Beschaffungsrichtlinien regelmäßig überprüfen und anpassen, um pragmatisch vorzugehen.

Durch diese Schritte können auch kleinere Kommunen einen Beitrag zur nachhaltigen und fairen Beschaffung leisten und ihre Vorbildfunktion wahrnehmen.