Nachhaltigkeit beginnt beim Einkauf: Fachworkshop zur Vergabepraxis im Landkreis Spree-Neiße – Forst (Lausitz)

Fachworkshop zur Vergabepraxis im Landkreis Spree-Neiße – Forst (Lausitz)

Wie kann der Landkreis Spree-Neiße seine Vergabepraxis zu einem wirksamen Hebel für Nachhaltigkeit und die Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes machen? Dieser Frage ging am 10. September 2026 ein Fachworkshop im Kreistagssaal der Landkreisverwaltung in Forst nach.

Unter dem Titel „Die Rolle der Vergabepraxis auf dem Weg zum nachhaltigen Landkreis“ tauschten sich Mitarbeitende der Kreisverwaltung und kommunale Beschafferinnen und Beschaffer viereinhalb Stunden lang aus.

Auftakt

Nach den Begrüßung durch den Landrat Martin Heusler, den Nachhaltigkeitsmanager Dr. Adegbite Adesipo sowie Nora Lust vom Fairgabe-Bündnis (VENROB e.V.) machte Claudia Wieczorek vom Yunus Environmental Hub den inhaltlichen Auftakt mit ihrem Impuls „Weniger ausgeben, mehr erreichen: Kostenvorteile zirkulärer Beschaffung im öffentlichen Sektor“. Anschließend führte Theresa Güldenring von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) in das Online-Tool Kompass Nachhaltigkeit ein.

Nachhaltige Beschaffung als Landesaufgabe

Digital zugeschaltet war Dipl.-Ök. Ria Müller, Referentin für Klimaschutz im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa. Sie zeigte auf, wie die nachhaltige öffentliche Beschaffung in der Landesnachhaltigkeitsstrategie und im Klimaplan Brandenburg verankert ist und wies auf den geplanten nächsten Schritt der Landesregierung hin, der Gemeinsamen Bund-Länder-Fortbildungsinitiative für eine nachhaltige Beschaffung beizutreten. Ein Blick in die Zahlen machte den Handlungsbedarf deutlich: Nach der Vergabestatistik vergab die Landesverwaltung Brandenburg im Jahr 2021 noch 86 Prozent der Aufträge ohne Nachhaltigkeitskriterien. Erfreulich war die Tendenz – bereits im Zeitraum 2021 bis 2023 stiegen die Auftragswerte nachhaltiger Vergaben im Unterschwellenbereich sowohl bei sozialen als auch umweltorientierten Kriterien sichtbar an.

Fachworkshops widmeten sich der spezifischen Umsetzung:

Fachworkshop A – „Beschlossen ist noch nicht gegessen – wie Nachhaltigkeit auf den Teller kommt“: Nikos Lukas von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Brandenburg zeigte, wie Nachhaltigkeitsziele für die Kita- und Schulverpflegung in messbare Anforderungen, Wertungskriterien und Verträge übersetzt werden – von Bio-Mindestanteilen über ein Feedbacksystem für Kinder bis zur jährlichen Qualitätsberichterstattung. Als lokales Leuchtbeispiel diente die Archimedes-Grundschule Forst, die im Dezember 2025 als erste Schule den ersten Stern im Brandenburger Qualitätsprogramm „Unser Schulessen“ erhalten hat. Mit der digitalen Ausschreibungshilfe KOMPASS steht dabei ein praxiserprobtes Werkzeug bereit.

Fachworkshop B – „Sensible Produktgruppen erkennen – Vergaben nachhaltig planen“: Theresa Güldenring (SKEW) stellte sensible Produktgruppen wie Textilien, Natursteine, Lebensmittel, IT-Hardware und Sportbälle vor und zeigte, wie soziale Kriterien vergaberechtskonform in Leistungsbeschreibung, Ausführungsbedingungen und Zuschlagskriterien verankert und über glaubhafte Gütezeichen nachgewiesen werden können. Beispiele wie Textbausteine für Naturstein- und Catering-Ausschreibungen machten deutlich: Nachhaltige Beschaffung ist machbar – und oft günstiger als gedacht, etwa wenn Lebenszykluskosten statt Einkaufspreise betrachtet werden oder zertifizierte Natursteine nur rund 1–2 Prozent Mehrkosten verursachen.

Der Weg geht weiter

Die Verwaltung will die Ergebnisse jetzt in der Breite umsetzen: Erste Fachbereichsleitungen haben konkrete nächste Schritte für ihre Arbeitsbereiche formuliert. Bei Interesse an den Präsentationen des Workshops, Fragen oder Interesse an der Einladung zum Fachtag am 19.11.2026 in Frankfurt/Oder melden Sie sich gern bei Nora Lust: projektleitung@venrob.de.