Nachhaltigkeit in der Informationstechnik ist längst keine Option mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit. Um IT-Lösungen bei stetig wachsenden Anforderungen auch zukünftig ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu entwickeln und zu betreiben, bedarf es klarer Strategien.
Der neue Praxisleitfaden „Sovereign. Sustainable. Digital.“, herausgegeben von der Community Nachhaltige Digitalisierung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) im Jahr 2026, liefert hierfür wertvolle Ansätze. Wir fassen die wichtigsten Bausteine für Sie zusammen.
Worum geht es in dem Leitfaden?
Die Publikation bündelt die Erkenntnisse aus einer fünfteiligen Workshopreihe, die sich mit der Schnittmenge aus Nachhaltigkeit, Digitalisierung und digitaler Souveränität beschäftigte. Der Fokus liegt dabei auf vier zentralen Bausteinen: Green Coding, Green IT, Open-Source-Software und OpenCode.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaft digitale Technologien eigenständig, sicher und vor allem ressourcenschonend nutzen und gestalten können.
Die Kernbausteine nachhaltiger IT
Um digitale Souveränität und Nachhaltigkeit zu vereinen, definiert der Leitfaden folgende Schlüsselkonzepte:
1. Green Coding und nachhaltige Software
Beim Green Coding geht es darum, den Energieverbrauch von Software durch effizienten Code möglichst gering zu halten. Nachhaltige Software zeichnet sich aus durch:
- Ressourceneffizienz: Geringer Energieverbrauch und Hardwarebeanspruchung.
- Langlebigkeit & Wartbarkeit: Vermeidung von ständigen Neuentwicklungen.
- Transparenz & Interoperabilität: Offenlegung von Quellcode und Nutzung offener Standards.
2. Nachhaltige digitale Infrastruktur (Green IT)
Dies umfasst den ressourcenschonenden Aufbau und Betrieb von Hardware, Netzen und Rechenzentren. Dazu gehören die Nutzung stromsparender Hardware, Reuse-Management (Wiederverwendung), klimafreundliche Kühlung von Rechenzentren sowie die sinnvolle Nutzung von Abwärme.
3. Digitale Souveränität & Open Source
Die Fähigkeit, selbstbestimmt und unabhängig von einzelnen proprietären Anbietern agieren zu können (Vermeidung von Lock-in-Effekten). Open-Source-Software (OSS) ist hierfür ein entscheidendes Werkzeug, da sie Transparenz schafft, Innovationskraft bündelt und Lizenzkosten senkt.
Umweltzeichen und Praxisbeispiele als Orientierung
Für die faire und nachhaltige IT-Beschaffung (z.B. in Brandenburg) sind Zertifizierungen ein wichtiges Hilfsmittel. Der Leitfaden hebt besonders hervor:
- Der Blaue Engel für Software (DE-UZ 215): Das weltweit erste Umweltzeichen für ressourcen- und energieeffiziente Softwareprodukte. Es garantiert u.a. Transparenz über den Energieverbrauch und Nutzungsautonomie (z.B. 5 Jahre Sicherheitsupdates).
- Der Blaue Engel für Rechenzentren (DE-UZ 228): Zeichnet Rechenzentren aus, die besonders energieeffizient und klimaschonend arbeiten (z.B. durch 100% erneuerbare Energien und effiziente Klimatisierung).
- openCode (ZenDiS): Eine Plattform des Zentrums für digitale Souveränität zur rechtssicheren Nachnutzung von Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung.
Gegenargumente entkräftet
Oft wird behauptet, nachhaltige Software sei zu teuer oder bremse Innovationen aus. Der Leitfaden hält dagegen: Nachhaltiger Code spart langfristig Ressourcen und Wartungskosten. Effizienz zahlt sich ökonomisch aus. Auch moderne Ansätze beim Green Coding zeigen, dass sich Energieeffizienz und hohe Performance nicht ausschließen, sondern gegenseitig bedingen.
Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Beschaffung
Für Akteure in der Verwaltung und Wirtschaft schließt der Leitfaden mit klaren Empfehlungen ab, die auch im Kontext von Fairgabe in Brandenburg essenziell sind:
- Nachhaltigkeitskriterien festlegen: Berücksichtigen Sie bei der Vergabe von IT-Dienstleistungen und Hardware-Beschaffungen konkrete Grenzwerte und fordern Sie Umweltzertifizierungen wie den Blauen Engel aktiv ein.
- Wissen teilen: Nutzen Sie Plattformen und Netzwerke, um Best Practices auszutauschen.
- Regelmäßiges Monitoring: Überprüfen Sie Ihre bestehende Infrastruktur durch Audits, um Einsparpotenziale beim Energie- und Ressourcenverbrauch frühzeitig zu erkennen.
Leitfaden herunterladen
Vertiefende Informationen, weitere Praxisbeispiele (wie das Projekt AwaNetz zur Abwärmenutzung oder die Open-Source-Strategie Schleswig-Holstein) finden Sie im vollständigen Dokument.
📥 Hier das PDF herunterladen: praxisleitfaden_ssd_bausteine_nachhaltiger_digitaler_infrastrukturen.pdf
Quelle: BMUKN Community Nachhaltige Digitalisierung, 2026.
