Drei Jahre Lieferkettengesetz: Eine erste Untersuchung zeigt, dass das Gesetz wirkt

Wie wirkt das Lieferkettengesetz? Beispiele aus der Praxis. (PDF)

Das Lieferkettengesetz wirkt. Das zeigte eine erste Untersuchung von Germanwatch und Misereor drei Jahre nach dessen Inkrafttreten: Arbeitnehmer:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen weltweit nutzen das Gesetz erfolgreich, um Rechte einzufordern, und viele Unternehmen setzen sich erstmals systematisch mit den menschenrechtlichen Auswirkungen ihrer Geschäftsmodelle auseinander.

Gerade für Akteure in der fairen Beschaffung, auch hier in Brandenburg, sind diese Erkenntnisse ermutigend. Sie belegen, dass gesetzliche Sorgfaltspflichten globale Veränderungen anstoßen können.

Mehr als nur ein „Papiertiger“ oder Berichtspflichten

Das weitverbreitete Missverständnis, das LkSG beschränke sich in erster Linie auf „Berichtspflichten“ und bürokratischen Mehraufwand für Unternehmen, erklärt sich oft daraus, dass seine eigentliche Wirkungslogik selbst bei den Anwender:innen bislang unzureichend bekannt ist.

Tatsächlich ist das Gesetz in erster Linie präventiv ausgerichtet: Es zielt darauf ab, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zu verhindern, bevor sie eintreten. Die gesetzlichen Vorgaben durchbrechen die Diffusion von Verantwortung, die durch komplexe und undurchsichtige Subunternehmerstrukturen entsteht.

Konkrete Beispiele aus der Praxis

Wie die Publikation eindrucksvoll belegt, zeigen sich erste Erfolge nicht nur in fernen Produktionsländern, sondern auch direkt vor unserer Haustür. Die Beispiele zeigen nicht nur, dass das LkSG wirkt, sondern auch, wie es Wirkung entfaltet:

  • Ausbeutung im Transportsektor unterbinden: Im internationalen Straßentransport (z. B. bei den Protesten der LKW-Fahrer in Gräfenhausen) nutzten Fahrer das LkSG, um Beschwerden bei den Auftraggebern einzulegen. Erst der Druck über die LkSG-pflichtigen Kundenunternehmen führte dazu, dass Subunternehmen ausstehende Löhne auszahlten.
  • Schutz vor giftigen Pestiziden und unfairen Löhnen: Auf Bananenplantagen in Ecuador und Costa Rica, die deutsche Supermärkte beliefern, wurden mithilfe von LkSG-Beschwerden Verhandlungen zwischen Zulieferern und lokalen Gewerkschaften erzwungen. Das Resultat: Nachzahlungen von Löhnen und die Abschaffung prekärer Subunternehmermodelle.
  • Koalitionsfreiheit durchsetzen: In der Türkei und anderen Ländern half der Verweis auf das deutsche LkSG lokalen Arbeitnehmer:innen, sich gewerkschaftlich zu organisieren und gewerkschaftsfeindliche Klagen abzuwehren, da deutsche Abnehmerunternehmen Druck auf ihre Zulieferer ausübten.

Ein Umdenken in den Unternehmen

Die Untersuchung macht zudem deutlich, dass das Gesetz auch innerhalb der Unternehmen einen Kulturwandel anstößt. Menschenrechte und ökologische Sorgfaltspflichten sind vielerorts zur „Chef:innensache“ geworden. Durch die Schaffung von Menschenrechtsbeauftragten und die stärkere Einbindung von Einkaufsabteilungen wird Prävention zunehmend aktiv gelebt, anstatt Risiken lediglich auf dem Papier abzuhaken.

Jetzt die Publikation lesen

Die aktuellen Debatten um eine mögliche Abschwächung des Gesetzes gefährden diese wichtigen Fortschritte. Umso wichtiger ist es, sich die realen positiven Effekte vor Augen zu führen. Die detaillierten Fallbeispiele können Sie in der vollständigen Publikation nachlesen:

„Wie wirkt das Lieferkettengesetz? Beispiele aus der Praxis“ (PDF herunterladen)

Quelle: Schufft, F. (2026). Wie wirkt das Lieferkettengesetz? Beispiele aus der Praxis. Herausgegeben von Germanwatch e.V. und Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.